[Reisen] 31.08.2014 – Bildung zum Zweiten und Gänsehaut pur

Dieser Tag begann wie so ziemlich jeder unserer Urlaubstage hier in Washington. Aufstehen, Frühstück bei Starbucks, Siebenmeilenstiefel schnür… ach, Moment, da unterscheidet es sich schon. Wir schnürten nämlich nicht unsere Siebenmeilenstiefel, sondern holten unseren Mietwagen aus der Tiefgarage und fuhren in Richtung Dulles International Airport. Nein, der Rückflug muss noch eine Woche warten, wir haben unseren Urlaub nicht abgebrochen. Ziel war das Steven F. Udvar-Hazy Center. Das ist quasi eine Außenstelle des Smithsonian National Air and Space Museum. Dieses Museum wurde 2003 eröffnet und bietet auf 71.000 m² Platz für Luftfahrzeuge, wie zum Beispiel, das kleinste Flugzeug der Ausstellung, das schnellste Passagierflugzeug der Welt, das schnellste Ausklärungsflugzeug der Welt, das schnellste Gleitflugzeug der Welt und das… ach die jetzt alle aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen. Und ich muss zu geben, das einige von diesen Maschinen nicht mehr im Dienst sind, aber ihre Rekorde bleiben bestehen!

Und nun, ohne lange Umschweife, die Bilder zu den versprochenen Rekorden:

Das kleinste Flugzeug der Ausstellung:

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Man sollte dazu sagen, das kleinste flugfähige Flugzeug der Ausstellung, das Stits SA-2A Sky Baby. Es hat gerade einmal 2,2 m Spannweite, ist 3 m lang und nur knapp 1,5m hoch.

Das schnellste Passagierflugzeug der Welt:

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Ganz klar die Aérospatiale-BAC Concorde 101/102. bis heute hält sie Streckenrekorde für die Atlantiküberquerungen.

Das derzeit wohl modernste Kampfflugzeug der Welt:

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Die Lockheed Martin F-35 Lightning II. Das nicht nur modernste, sondern wohl auch teuerste Kampfflugzeug der Welt soll in den kommenden Jahrzehnten das Haupteinsatzflugzeug der US Streitkräfte und einiger ihrer Verbündeter werden. Sie ist ähnlich wie der Eurofighter Typhoon eine Gemeinschaftsentwicklung verschiedener Nationen.

Das schnellste Gleitflugzeug der Welt:

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Ok, hier könnte man sich streiten, aber Fakt ist, dass ein Space Shuttle beim Wiedereintritt in die Atmosphäre eine Geschwindigkeit von bis zu Mach 23 erreichen kann. Also 23-fache Schallgeschwindigkeit. Ihre Triebwerke werden hierbei nicht zum beschleunigen benutzt, sondern zum verlangsamen des Shuttles. Die hier ausgestellte Discovery (übrigens das Original) wurde insgesamt 39 mal ins Weltall geschossen und hat damit mehr Einsätze auf dem Buckel als ihre Schwesterschiffe.

Das schnellste Ausklärungsflugzeug der Welt, und mein persönlicher Favorit (knapp vor dem Spaceshuttle):

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Die Lockheed SR-71A Blackbird. Sie hält sowohl den Rekord für den höchsten Horizontalflug mit 26.213 m, als auch den Geschwindigkeitsrekord von 3.529,6 km/h. Das in den 1960er Jahren für die CIA entwickelte Aufklärungsflugzeug ist einfach ein außergwöhnlich schönes Stück Ingenieurskunst. Und cool aussehen, tut sie außerdem noch! 😉

Neben diesen ganzen Rekordhaltern finden sich auch andere Berühmtenheiten unter den Ausstellungsstücken. Durchaus auch fragwürdige Berühmheiten wie die Messerschmitt Me 163.

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Das erste Flugzeug der Welt, dass die 1.000 km/h Marke durchbrach. Entwickelt als „Wunderwaffe“ in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs, kam sie sogar im Kampf zum Einsatz. Die Wende im Krieg brachte sie nicht, aber die Entwicklung brachte die Luftfahrt um einiges voran. Wie es zum Glück meistens mit militärischen Erfindungen ist, die später eine sinnvolle positive Nutzungsmöglichkeit bieten. Wie zum Beispiel auch das GPS, das heutzutage jeder in seinem Smartphone oder Navigationsgerät im Auto nutzt.

Eine andere fragwürdige Berühmtheit ist dieser glänzende Bursche:

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Die Boeing B-29 Superfortress mit dem Namen Enola Gay. Diese Maschine errang ihre „Berühmtheit“ damit die erste Nuklearwaffe in einem Krieg abgeworfen zu haben. Am 06. August 1945 warf dieses Flugzeug die Atombombe „Little Boy“ über der japanischen Stadt Hiroshima ab. Man muss zugegeben, war nicht unbedingt der beispielhafteste Tag für die Menschheit.

Aber alles in allem ist dieses Museum ein wahrer Traum für Luftfahrtenthusiasten. Nach unserer Besichtigung flitzten wir schnell zurück in die Stadt denn wir wollten noch eine Stadtrundfahrt unternehmen. Die National Mall hatten wir ja schon zu Fuß erkundet, doch blieben wir meistens innerhalb des District of Columbia (oder kurz D.C.). Die Ausnahme sei hier der kurze, nächtliche Ausflug zum Denkmal des U.S. Marine Corps, oder bekannter als Statue von Iwo Jima. Die heutige Rundfahrt führte uns abermals an den berühmten Bauten wie dem Weißen Haus, dem Lincoln Memorial, dem Washington Memorial und wie sie alle heißen vorbei und über den Potomac River nach Virginia. Hier stoppten wir am Arlington National Cemetery, oder zu deutsch der Nationalfriedhof Arlington. Zu allererst sei an dieser Stelle gesagt, es war uns mal sowas von tierisch warm. Es herrschten 30 grad im Schatten, bei über 80 % Luftfeuchtigkeit und für den späteren Abend waren auch einige nicht zu verachtende Gewitter angekündigt. Zum anderen hatten wir schon ein etwas mulmiges Gefühl als wir aus dem Informationszentrum heraustraten und die unzähligen weißen Grabsteine vor uns auf den Hügeln erblickten.

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Ein Großteil der Inschriften weißt auf aktive Dienstzeiten im Zweiten Weltkrieg hin, dicht gefolgt von Soldaten die in Vietnam und/oder in Korea gekämpft haben. Mit über 260.000 Beisetzungen ist dies der zweitgrößte Friedhof der USA. Aber nicht nur Soldaten finden hier ihre Ruhestätte, zum Teil auch ihre Angehörigen, oder berühmte Persönlichkeiten, Sportler, Diplomaten oder Präsidenten.

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Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man es erkennen kann, aber auf der rechten Grabplatte steht Jacqueline Bouvier Kennedy Onassis und auf der linken demzufolge niemand geringer als John Fitzgerald Kennedy. Dahinter sieht man die ewige Flamme am Grab des wohl beliebtesten US-Präsidenten der Geschichte. Es ist schon erstaunlich so dicht am Herzen dieser Nation zu stehen und an diesem Ort eine fast schon bedrückende Stille zu erleben. ich weiß nicht wie es Euch beim Lesen dieses Beitrages geht, aber als wir die wenigen Stufen zum Grabmal empor stiegen, jagte jeder Schritt uns eine leichte Gänsehautschauer über den Körper. Doch das wahr erst der Anfang, ein wenig nachdenklich stiegen wir den Hügel weiter empor und kamen schließlich am Grab der Unbekannten, früher auch bekannt als Grab des unbekannten Soldaten, an. Hier war die Gänsehaut perfekt. Denn es marschieren jeden Tag, egal bei welchem Wetter (auch als Hurrikan Sandy über die Ostküste tobte), die Soldaten des 3. US-Infanterieregiments, genannt „The Old Guard“, vor den Sarkophagen der unbekannten Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, sowie des Vietnam- als auch des Koreakrieges auf und ab. Sie marschieren 21 Schritte auf, drehen sich, warten 21 Sekunden, und marschieren 21 Schritte ab, drehen sich usw…

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Im Sommer findet alle halbe Stunde ein Wachwechsel statt. Hierzu betritt zunächst ein sog. Zeremonienmeister den Platz, salutiert vor dem Grab und bittet dann die Zuschauer in Anbetracht der Würde der Zeremonie aufzustehen und schweigend zuzusehen (was auch alle ohne Einspruch befolgen). Dann betritt der abwechselnde Soldat den Platz und wird vom Zeremonienmeister peinlichst genau, mit einstudierten Bewegungsabläufen inspiziert, anschließend wird der Wachwechsel vollzogen und der abgewechselte Soldat und der Zeremonienmeister verlassen den Platz. Danach bricht kein Applaus aus, keine wirrer Gespräche sind zu hören, sondern nur die leisen Bewegungen der Zuschauer die den Platz scgweigend langsam verlassen. Dies hatte uns recht nachdenklich gestimmt und auch wir gingen ebenfalls schweigend zurück zur Bushaltestelle.

Um aber auch eine positive Nachricht von Arlington mitnehmen zu können, konnten wir auf einer Infotafel lesen, dass auf Anweisung Präsident Clintons 1998 die Überreste des Unbekannten Vietnamsoldaten exhumiert wurden und mittels DNS Analyse indentifiziert werden konnten. Somit konnte 14 Jahre nach seiner Beisetzung die Identität des Soldaten geklärt werden und er wurde auf den Friedhof seiner Heimatstadt überführt. Seither ist des Grabmal des unbekannten Vietnamsoldaten leer und soll es auch bleiben.

An der Haltestelle warteten wir mit einigen anderen Besuchern des Friedhofs sehr lange, sehr angespannt und immer ungeduldiger auf den Bus. Die zuvor bereits erwähnte Gewitterfront rückte nämlich immer näher. Nach anfangs nur dunklen Wolken, konnten wir bereits die ersten Blitze und auch schon zwei bedrohliche Donnerschläge hören, als der Bus endlich um die Ecke bog um uns einzusammeln.

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Vom Arlington Friedhof ging es dann noch vorbei am Pentagon, der Pentagon City zurück über den Potomac River zum Washington Monument wo unsere Rundfahrt begonnen hatte. Auf dem letzten Stück haben wir keine Bilder mehr gemacht, da wir mehr damit beschäftigt waren unsere Sonnenbrillen, Mützen und Frisuren festzuhalten, weil es mittlerweile sehr windig geworden war. Als wir dann auf den Weg zum Hotel waren, erwischte uns auf der Hälfte der Strecke doch noch der Regen. Es war zwar kein schwerer Regenguss, aber es reichte um die Wärme vollends unerträglich zu machen. Denn alles was man am Körper trug klebte im wahrsten Sinne des Wortes an einem. Die ersehnte Abkühlung brachten erst die nächtlichen Regenschauer, die wir aber, erschöpft wie wir waren, in unseren bequemen Hotelbetten verschliefen.

© gÖTTERGATTE a.k.a. nxcalibur

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